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Dicke Essstörungen Drucken E-Mail

(st) 28.05.2007 - Wenn man als Übergewichtiger an einer Essstörung leidet, weiß man das oftmals gar nicht. Denn das Bild von "Essgestörten" ist von Artikeln, Sendungen und Berichten über extrem dürre, magersüchtige oder bulimische Mädchen geprägt.

Ein "dicker" Essgestörter hat in den Medien keinen Platz (und kein Verständnis).

Man selber reiht sich gerne in die tönerne Masse mit ein und hält sich für unfähig, disziplin- und wertlos. Denn, was viele sagen, "wird schon stimmen". Dadurch gerät man in einen Abwärtsstrudel von Selbstwertverlust, Selbsthass und Hoffnungslosigkeit. Häufig "gesellen " sich dann Depressionen, Angst- oder Persönlichkeitsstörungen dazu und der Betroffene versinkt fast gänzlich in oft selbst gewählter Isolation.

Wenn man sich überisst, versucht man so oftmals seinen hochkommenden Gefühlen zu begegnen - anders weiß man damit nicht umzugehen. Da diese Gefühle meist unterdrückt und nicht beachtet werden, schlagen sie häufig wie eine große Welle über einem zusammen und ohne Essen sieht man sich in der Gefahr, davon weggerissen, weggespült und gänzlich verschluckt zu werden. Angst, Kummer, Freude, Wut ... sind alles Gefühle, deren Ausdruck man verlernt hat und die sich als große schwarze Masse auf einen zu bewegen. Das Essen erfüllt dann mehrere Zwecke:

  • Man hat etwas zu tun - und kann/braucht sich folglich diesen Gefühlen nicht zu stellen.

  • Der volle (und oft auch schmerzende) Magen bereitet physische "Ablenkung", d.h. die Sache wird von der seelischen auf die körperliche Ebene gehoben.

  • Durch das Essen kann man sich strafen, indem man sich selber danach wieder prima Selbstvorwürfe machen kann; so wird die ganze Sache wieder auf eine Ebene verlagert, die weit weg von den eigentlichen Auslösern ist.

  • Es ist manchmal auch "Rauschverhalten", Mengen von sehr süßen oder sehr fetthaltigen Dinge zu essen; alles andere wird "ausgeblendet" und der Fokus liegt allein auf dem Essen.

Jeder isst "mal zuviel" oder "mehr, als er wollte". Auffällig wird die Sache eben dann, wenn das Ganze mit einem Kontrollverlust einhergeht. Der Betroffene ist nicht mehr in der Lage, diese Situation zu steuern oder zu beenden. Und dadurch, dass das Essen auch im Körper verbleibt und nicht wie z.B. bei einem Bulimiker wieder erbrochen wird, nimmt der Betroffene zwangsläufig zu. Selbst wenn man zwischendurch immer auch Phasen hat, in denen man diätet (1000 kcal - Jojo lässt grüßen ...) und auch erfolgreich abnimmt - der Gewichtsverlauf ist immer ansteigend.

Geholfen werden kann Betroffenen z.B. durch eine Therapie oder auch durch einen Aufenthalt in einer darauf spezialisierten, psychosomatischen Klinik, in der z.B. wieder regelmäßiges Essen (Essenszeiten), Mengen und Hunger/Sättigungspunkte erarbeitet werden. Zusätzlich werden die verschiedenen Formen der Essstörungen (Binge Eating, Grazing und/oder Night Eating) beleuchtet und die Betroffenen werden an die Auslöser herangeführt, so dass sie erkennen, was eigentlich hinter diesem (Ess-)Verhalten liegt.

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Hier schreiben engagierte Laien. Soweit gesundheitliche Fragen erörtert werden, ersetzen die Beiträge und Schilderungen persönlicher und subjektiver Erfahrungen der Autoren keineswegs eine eingehende ärztliche Untersuchung und die fachliche Beratung durch einen Arzt, Therapeuten oder Apotheker! Bitte wendet Euch bei gesundheitlichen Beschwerden in jedem Fall an den Arzt Eures Vertrauens.
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