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Eine schlanke Frau fürchtet sich vor den Dicken Drucken E-Mail

(m) 08.05.2008 - Am 26. April 2008 erschien in der Berliner Zeitung ein Artikel von Gabriele Bärtels, auf den wir den Deutschen Presserat mit der Bitte um eine Rüge gegenüber der Berliner Zeitung aufmerksam gemacht haben.

Gabriele Bärtels beginnt den Artikel mit Erlebnissen, die sie mit dicken Menschen hatte. Diesen Schilderungen folgt eine Kaskade von Behauptungen, denen ganz offensichtlich keine Recherche voranging, und persönlicher Meinungen. Sie behauptet beispielsweise, Sarkopenie sei die Umwandlung von Muskelmasse in Fett, die im mittleren Alter in Gang käme, und ereifert sich über die Bewegungslosigkeit der Gesellschaft, die die Dicken besonders kultiviert hätten.

Die Begriffe, die sie im Zusammenhang mit dicken Menschen benutzt, lassen keinen Zweifel offen, was sie von ihnen hält: Die elefantöse Dame mit dem dreifachen Doppelkinn bekommt ihr Fett ebenso weg wie der übergewichtige Angestellte, der nur noch von seiner Tischplatte gehalten wird. Sie erinnert daran, dass Dicke bis vor ca. 100 Jahren Jahrmarktsattraktionen waren, und erklärt dem geneigten Leser, dass Dicke sonntags, statt einen Sonntagsspaziergang zu machen, herumliegen, weil sie sich freiwillig nicht bewegen. Natürlich erlebt der dicke Mensch die Welt vorwiegend durch den Mund und kennt keine anderen Gefühle als den Gaumenkitzel. Dicke Jugendliche sind nach ihrer Auffassung gigantische Maden, aus denen nie ein Schmetterling schlüpfen wird. Die Mehr-als-Molligen und der Fettkloß interessieren sich nur für das Fernsehprogramm, was Gabriele Bärtels zu Phantasien anregt, wie es wohl beim Publikum ankäme, wenn ein dicker Richard Gere auf einer Julia Roberts rumrutscht, die die Ausmaße eines Öltanks hat. Auch stellt sie sich eine Filmschlacht mit reihenweise unter den Statisten zusammenbrechenden Pferden vor. Zuletzt macht sie sich über die Art lustig, wie dicke Menschen sich bewegen, und betont, wie furchterregend ein Dicker auf dem Nebensitz im ÖPNV ist.

Gabriele Bärtels bedauert es, dass man in den USA das Problem Übergewicht nicht offen und ehrlich ansprechen darf, ohne wegen Diskriminierung verklagt zu werden. - Nun, verklagen werden wir sie nicht, aber wir haben ihren Artikel, in dem sie sich eines Tons befleißigt, der völlig inakzeptabel ist, dem Deutschen Presserat mit der Bitte übergeben, der Berliner Zeitung eine Rüge zu erteilen:

An den
Deutschen Presserat
Postfach 7160
53071 Bonn

7. Mai 2008

Titel des Artikels:
Lebendig begraben – Eine schlanke Frau beginnt, sich vor den Dicken zu fürchten

Name und Seite des Publikationsorgans: Berliner Zeitung (Print- und Online-Ausgabe)

Erscheinungsdatum: 26. April 2008

Ziffer des Pressekodex, auf die wir Bezug nehmen:
Ziffer 1 – Achtung der Menschenwürde
Ziffer 2 - Sorgfalt
Ziffer 12 - Diskriminierungen

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir schreiben Ihnen als Initiatoren von Der dicke Mensch (www.der-dicke-mensch.de) und Das Dicke Forum (www.das-dicke-forum.de). Es handelt sich hierbei um ein Internet-Projekt gebildeter Dicker, die voll im Leben stehen und sich mit dem von Politik und Medien gezeichneten Bild des tumben, bewegungslosen, Hamburger mampfenden Monsters in keiner Weise identifizieren können.

Als Anlage überreichen wir Ihnen einen Ausdruck des im Betreff genannten Artikels aus der Berliner Zeitung, der sowohl in der Print- als auch in der Online-Ausgabe am 26. April 2008 erschienen ist (der Link zur Online-Ausgabe befindet sich auf dem Ausdruck).

Ziffer 1 des Pressekodex – Achtung der Menschenwürde

Wir verstehen, dass die zu Beginn geschilderte Szene an der Umkleidekabine für die Autorin befremdlich war. Jedoch sind Übergriffe dieser Art nicht ein spezielles Markenzeichen dicker Menschen.

Es folgt ein recht umfangreicher Hassartikel auf dicke Menschen. Dass es sich bei dicken Menschen um Menschen handelt, scheint der Autorin ebenso wie der Redaktion, die diesen Artikel angenommen hat, völlig unklar zu sein.

Der Artikel ist verletzend und boshaft. Er nimmt keinerlei Rücksicht auf die Gefühle der Betroffenen.

Ziffer 2 des Pressekodex - Sorgfalt

Der Artikel lässt jede Recherche vermissen.

Wenngleich die Berichterstattung über das Phänomen Übergewicht in den Medien allgemein eher diskriminierend ist, haben einige anerkannte Journalisten bewiesen, dass man fundierte, gut recherchierte Artikel zum Thema Übergewicht schreiben kann. Solche Artikel machen immer klar, dass die Ursachen von Übergewicht sehr vielfältig und bisher unzureichend erforscht sind. Beispiele finden Sie auf der Internetseite www.der-dicke-mensch.de in der Rubrik Medienlinks.

Die Autorin des hier in Rede stehenden Artikels jedoch gibt vor allen Dingen ihre persönliche Meinung wieder, garniert mit ein paar Boulevard-Journalismus-Weisheiten.

Sarkopenie beispielsweise bezeichnet den altersbedingten Muskelschwund. Dieser betrifft jeden Menschen. Dabei wird Muskelmasse keineswegs in Fett umgewandelt, wie es die Autorin behauptet. Auch gibt es kein probates Mittel, diesen Muskelschwund aufzuhalten. Zwar hilft Krafttraining, aber nur bis zu einem gewissen Grade.

An diesem Beispiel zeigt sich, dass die Autorin gar nicht recherchiert hat, denn sie schreibt ja selbst, dass sie ihre – falsche – Erklärung für die Sarkopenie "irgendwo aufgeschnappt" hat.

Ziffer 12 des Pressekodex - Diskriminierungen

Man stelle sich vor, alle Begriffe in diesem Artikel, die dicke Menschen beschreiben, würden durch "Behinderte" oder "Schwule" ersetzt, um nur zwei mögliche Alternativbegriffe zu nennen. Es wäre schlechterdings unmöglich, diesen Artikel überhaupt abzudrucken.

Vor diesem Hintergrund möchten wir Sie bitten, diesen Fall zu prüfen und eine Rüge auszusprechen. Das Klima für dicke Menschen in Deutschland ist – unberechtigterweise – ohnehin nur schwer zu ertragen. Daher sind wir der Auffassung, dass eine solch massive Entgleisung, wie sie dieser Artikel darstellt, nicht folgenlos bleiben darf.

Im Namen der acht Initiatoren von Der dicke Mensch / Das dicke Forum

mit freundlichen Grüßen
Martina Mahner

Der hier rezensierte Artikel von Gabriele Bärtels in der Berliner Zeitung ist online nicht mehr verfügbar.

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