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Die Schauspielerin Lilli Palmer (geboren 1914) veröffentlichte 1974 ihre Autobiographie unter dem Titel "Dicke Lilli – gutes Kind". Das war, so erzählte sie, ihre Antwort, wenn sie als Kind nach ihrem Namen gefragt wurde. Ein dickes Kind in den kargen Jahren nach dem 1. Weltkrieg in Berlin – das war etwas, worauf die Familie stolz sein konnte! Und Lilli war stolz. Heute würde der Verlag der Autorin vielleicht abraten von einem solchen Titel. Allenfalls sich selbst vermoppelnde und veräppelnde Dauer-Diätlerinnen dürfen überhaupt noch hoffen, mit dicken Themen bei Verlagen zu landen. Auch Vorher-Nachher-Beichten wie der (ex-) außenministerliche lange Lauf zu sich selbst sind noch gefragt – der kurze Weg zurück zum Ausgangsgewicht dagegen muss dann in aller Stille stattfinden. Trotzdem gibt es sie: Bücher, die Mut machen, ein dickes Leben zu leben. Bücher, die helfen, einen Weg zu sich selbst zu finden. Bücher, die helfen, sich anzunehmen ohne abzunehmen. Bücher, die Möglichkeiten eröffnen, Essstörungen aufzudecken und zu überwinden. Bücher, die gut tun oder auch einfach nur Spaß machen. Romane mit dicken Heldinnen, die Hochseilakte bewältigen, große Sprünge machen ohne Netz und doppelten Boden, die sich verlieben und traurig sind und Befreiungsschläge tun, erstaunliche Karrieren wagen und über sich selbst hinauswachsen. Romane mit dicken Helden, die klug sind und einfühlsam und männlich. Manchmal können Worte Wunder wirken. Dicke Bücher gibt es viele. Die Liste der "dicken Literatur" ist noch überschaubar. Aber da ist das letzte Wort noch lange nicht geschrieben. An dieser Stelle werden wir Euch in Kürze Beispiele "dicker Literatur" vorstellen. |