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Dicke Düsseldorf

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Die Frage, „was war zuerst da, das Schönheitsideal oder die Medien?“ ist fast so alt wie die Frage nach dem Huhn und dem Ei. Die eine Seite behauptet, Medien machten Schönheitsideale, die andere Seite behauptet, Medien bildeten lediglich die gesellschaftliche Wirklichkeit ab. Vermutlich ist an beiden Argumenten was dran, aber welches welchen Anteil hat, weiß kein Mensch.

Tatsache ist, dass dicke Menschen z.B. im Fernsehen lediglich in zwei Varianten vorkommen: Dem Klischee entsprechend gutmütig bis gemütlich (Marianne Sägebrecht, Otfried Fischer) oder witzig bis schrill (Hella von Sinnen, Tine Wittler). Ausnahmen (Dieter Pfaff als Kommissar Sperling oder als Psychologe Bloch) bestätigen die Regel. Dicke als Moderator(inn)en ganz normaler Magazine (Politik, Kultur, Wirtschaft) oder Talkshows gibt es schlichtweg nicht. Und als „Anchorman“ bzw. „Anchorwoman“, sprich als zentrale Figuren klassischer Nachrichtenformate und tagesaktueller Magazine scheinen sie unvorstellbar.

60 Prozent der deutschen Frauen und 75 Prozent der deutschen Männer sind zu dick, so heißt es in den Medien. Das ist der größte Teil unserer Gesellschaft. Als Gestalter der Medien aber sind sie völlig unsichtbar. Dennoch – ein gutes Thema geben sie immer ab: Für immer neue Horrormeldungen über die „verfettende Gesellschaft“ und den gewaltigen Kostenfaktor Übergewicht ist immer Raum und Zeit. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht irgendeine Zeitung oder Zeitschrift, irgendein Radiosender, irgendein TV-Magazin entsprechende „Neuigkeiten“ verkündet. Und wieder mahnend den Zeigefinger hebt. Ganz zu schweigen natürlich von den zahlreichen Frauenzeitschriften, die seit Jahren und Jahrzehnten mit immer neuen Diäten und den beliebten Vorher-Nachher-Fotos immer aufs Neue Auflage machen und den Selbsthass der Dicken ebenso schüren („So hässlich war ich früher!“) wie den Jo-Jo-Effekt.

Wirklich differenzierte Berichte zum Thema Übergewicht, Adipositas, dickes Leben sind sehr selten. Wenn es sie mal gibt, dann eher in der ZEIT als in der BILD, eher bei ARTE als bei RTL, eher in EMMA als in BRIGITTE. Die großen populären Massenmedien auf dem Boulevard setzen eher auf Voyeurismus denn auf Aufklärung und heulen mit den Wölfen. Sie spiegeln ein gesellschaftliches Klima wieder, das Dicke ausgrenzt und im wahrsten Sinne des Wortes für dumm verkauft. Womit wir wieder bei der Eingangsfrage wären.

Dennoch lohnt es sich, für ein anderes Bild dicker Menschen in den Medien zu kämpfen. Jeder Erfolg – und sei er auch noch so klein – zeigt uns: Veränderung ist möglich. Auch wenn sie Zeit braucht.

 
Ein offener Brief an die Medien Drucken E-Mail

(d) 22.04.2007 - Immer wieder fühlen sich Politiker berufen, der Bevölkerung indirekt vorschreiben zu wollen, mit welchem Höchstgewicht man seiner Bürgerpflicht nachkommen darf.

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