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Wenn von Essstörungen die Rede ist, geht es nahezu immer um Magersucht und Bulimie. Beide Störungen sind eindeutig als Krankheiten anerkannt, die Öffentlichkeit empfindet Mitgefühl mit den Betroffenen und rät ihnen dringend, sich Hilfe in einer Beratungsstelle, Therapie oder Klinik zu suchen. Magersucht und Bulimie gelten als Krankheiten. Dicke Essgestörte aber gelten nicht als krank, sondern lediglich als charakterschwach. Klar ist: Genausowenig wie jede/r Essgestörte dick ist, ist jede/r Dicke essgestört. Trotzdem gibt es eine Menge dicke Menschen, die mit süchtigem Verhalten zu kämpfen haben – und sich oft genug dem Essen gegenüber wehrlos und ausgeliefert fühlen. Die häufigsten Formen von Essstörungen bei Dicken sind: -Binge Eating (Disorder) – Essen bis an die letzte körperliche Grenze Wie Bulimiker/innen haben Binge Eater heftige Fressattacken, bei denen sie große Mengen Nahrungsmittel zu sich nehmen. Ihr Suchtverhalten ist das gleiche, allerdings erbrechen sie anschließend nicht. Auslöser sind meist belastende Situationen, in denen Betroffene keinen anderen Weg sehen, große Spannung oder etwa einen Konflikt abzubauen. -Essen gegen schlechte Gefühle Die Betroffenen essen immer wieder und sehr häufig Süßigkeiten, Fettes oder Kohlehydratreiches, um unangenehme Gefühle wie Angst, Trauer, Wut etc. nicht spüren und in ihrem ganzen Ausmaß erleben zu müssen. Bei vielen erhöhen die Nahrungsmittel tatsächlich den Serotoninspiegel und wirken damit antidepressiv – wodurch der „tröstende“ Griff zum Essen schnell wiederkommt. -Essen gegen „Langeweile“ Dahinter versteckt sich meist viel mehr als nur das, was der Volksmund unter Langeweile versteht. Betroffene fühlen sich oft leer und einsam. Vielleicht fehlt ein Partner, vielleicht fehlen Kinder, vielleicht fehlt Arbeit, vielleicht fehlt Geld – vielleicht auch alles auf einmal. Das Essen kann diese große innere Leere vorübergehend füllen und ein Gefühl der Zufriedenheit, des „Ausgefülltseins“ vermitteln. Das Suchtverhalten zu durchbrechen ist für dicke Essgestörte genauso schwierig wie für Magersüchtige und Bulimikerinnen. Meist dauert es Jahre bis zu einer wirklichen Veränderung, weil sich das Essen längst verselbständigt hat und ein Eigenleben führt, so dass man den wirklichen Ursachen erst einmal wieder auf die Spur kommen muss. An dieser Stelle soll eine Textsammlung zum Thema "Essstörungen" entstehen. |